Das Tanzberger-Konzept
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BECKENBODENTHERAPIEBALL
FASZIEN
IMAGINATION.
EXPLOSIVLAUTE INSTRIKTION
Die Rektusdiastase
nach Schwangerschaft
Anpassung - Testung – Therapie

Die Anpassung
Während einer Schwangerschaft verändert sich die myofasziale Bauchwand um dem wachsenden, intrauterinen Kind Platz zu schaffen.
Die physiologische, muskuläre Anpassung vor allem der Mm. recti abdomini durch
- Verlängerung,
- Weitung und
- Lateralisierung,
macht Schwangerschaften des Homo sapiens, d. h. von Zweibeinern, erst möglich.

Ohne die raumschaffende, ventrale Bauchwand-Weitung käme es in den letzten Wochen einer Schwangerschaft zu massivem Innendruck nach dorsal auf die Vena-Cava-inferior und damit zum Vena-Cava-Kompressions-Syndrom. Dadurch können plötzlich bedrohliche Folgen für die Schwangere entstehen wie: Blutdruckabfall, Herzrasen, Atemnot und Schwindel bis zum Bewusstseinsverlust - reale Gefahren, die Auswirkungen auf das Ungeborene haben.

Die myofasziale Anpassung der Bauchdecke hebt sich nach der Geburt des Kindes nicht gleich auf. Deshalb widmet sich die physiotherapeutische Unterstützung der Rückbildung der Wiederherstellung einer spannkräftigen Bauchkapsel, einschließlich des Beckenbodens, der als kaudaler Abschluss zum Bauchkapselsystem gehört. Die besondere übungstherapeutische Förderung gilt der Re-Medialisierung der Mm. Recti abdomini.
Die Testung
Zuvor einige Fakten, die das fragwürdige, noch immer verbreitete Prüfungsverfahren der Recti und der faszialen Mittellinie (Linea nigra - vor der SS Linea alba) aus biomechanischer Sicht beleuchtet.
Kritik und Hintergrund:
- Die unphysiologische Rückenlage als Prüfposition:
- Funktionell exakte Aussageergebnisse bei Muskelfunktionsprüfungen können nur dann erzielt werden, wenn die Leistungen in den Stellungen und Abläufen erfolgen, die zum natürlichen, menschlichen Alltagsverhalten gehören.
- Gefragt werden sollte: Welche Alltagsfunktion leistet die Bauchmuskulatur in Rückenlage?
Fakten:
Die falsche, unphysiologische Prüfposition reduziert zusätzlich den postpartalen, hypotonen Tonus der Bauchmuskulatur. Es ist kaum zu verstehen, dass prüfende Fachpersonen ausgerechnet in einer körperlichen Position bewerten, in der sich der sowieso schon niedrige postpartale Tonus naturgemäß noch weiter absenkt.
2. Die Forderung Kopf und Schultergürtel anzuheben und zu halten:
- Die instruierte Bewegung und Halteposition bringen die oberen Anteile der beiden M. recti abd. in eine aktive Insuffizienz, sowie gleichzeitig den M. transversus abd., dessen fasziale Mittlel-Linie an einer Diastase in der Regel beteiligt ist.
- Die Flexion der HWS und die flektierte obere BWS verstärken die o. g. aktive Insuffizienz - vor allem die, des Oberbauches, den üblichen Bereich einer Rectusdiastase. Zudem wird die Atmung bis hin zum Pressatem folgenreich erschwert.
- Der Pressatem in dieser anstrengenden Ausgangstellung erzeugt intraabdominelle Drücke mit senkungsfördernden Schubkräften, die sowohl den Beckenboden als auch die Beckenorgane pathologisch belasten.
Fakten:
Die unphysiologische Bewegungs- und Halteaktion des so instruierten Prüfungvorgangs verhindert nicht nur einen aussagekräftigen Befund, überdies werden bereits vorhandene myofasziale Insuffizienzen verstärkt und die eigentlich zu schützende Gesundheit der Frauen unbedacht geschwächt.
DER TEST DER MM. RECTI ABD. UNTER PHYSIOLOGISCHEN BEDINGUNGEN
Eine wesentliche Funktion der Bauchmuskulatur ist die posturale Kontrolle der aufrechten Haltung.
Hauptakteure sind die Recti!
Ihre feinabgestimmte Bremskraft sichert fallverhindernd das lebensgefährliche Umkippen des Menschen nach hinten.
Anatomischer Beweis für die unbewusste, anspruchsvolle Recti-Leistung sind die 3 - 4 Zwischensehnen (Intersectiones tendineae), die die geraden langen Bauchmuskeln quer unterteilen (volkstümlich Sixpack genannt). Sie machen die reaktiv gesteuerten, täglichen präzisen Krafteinsätze der Recti überhaupt erst möglich.
Ausgangstellung Sitz


Die gesamte Wirbelsäule muss in vertikaler bzw. in annähernd vertikaler Neutral-Null-Position stabilisiert gehalten werden.
Fotos: © Das Tanzberger-Konzept e.V.
Instruktion der Fachperson:
- Beide Arme mit eng flektierten Ellbogen seitlich an den Brustkorb heften
- oder Arme etwa in Schulterhöhe nach vorne ausstrecken und halten. (siehe Abb.)
- begleitet von der Ausatmung die Körperlängsachse d. h. die stabilisierte Wirbelsäule aus den Hüftgelenken langsam und wenig (ca. 10°) nach dorsal bewegen… und wenige Sekunden halten.
Beobachtung der Fachperson:
- Wie verhalten sich Recti und Mittel-Linie bei dieser Bremsaktivität?
- Tritt eine normale muskuläre Haltekontraktion auf oder vergrößert sich die Diastase mit Vorwölbung der Recti?
Instruktion nach optischem Befund der Recti-Bremsleistung:
- Die Rückbewegung entweder sofort abbrechen, falls die Recti mit Dehnung reagiert haben
- oder den Grad der dorsalen Bewegung verkleinern
- oder die Bewegung nach rückwärts sogar vergrößern
Das Ergebnis:
Der myofasziale Test-Befund bemisst sich nach dem Erscheinungsbild der Recti unter
fallverhindernder Belastung und
Wegstrecke.
Die (PHYSIO-)THERAPIE
Das therapeutische Übungsprogramm
Bauchmuskelübungen sollten, wie bereits oben anlässlich der Testung analysiert, in Ausgangsstellungen durchgeführt werden, in denen die Mm. recti abdomini fallverhindernd oder in der Brückenspannung (Vfstd) reaktiv arbeiten.
Vorrang haben postpartale Übungsangebote im längsgerichteten Faserverlauf der Mm. recti abdomini, welche per sogenannter weiterlaufender Bewegung die längsgerichteten, kontinenzsichernden Muskelfasern des Beckenbodens gleichermaßen erreichen und tonisieren.
THERAPEUTISCHE ÜBUNGEN IM WOCHENBETT
Das Frühwochenbett (die ersten 10 Tage nach Geburt)
- Bauchlagerung auf dem festen Kissenberg.
- Stenosierte Ausatmung auf CH (mithilfe der Beckenboden-Vorstellungsbildern Blüte, Welle, Schwamm) dabei Schambeinunterkante in den Kissenberg drücken = durch die Bauchdecken haltgebende Lagerung - erste unterstützende Unterbauchverkürzung und als weiterlaufende Bewegung eine schonungsvolle Tonisierung des meist verletzten Beckenbodens.
- Alltagshilfen einsetzen (z. B. Hustendreh, Niesrück, druckloses Bücken und Anheben von Lasten).
Die nachfolgenden Monate der myofaszialen Rekonvaleszenz
Spätwochenbett (14. Tag bis 6 Monate post partum)
Übungsbeispiele aus dem Tanzberger-Konzept
- Der Boden gibt die Kraft zurück
- Das Sitzpendel
- Matschagallalapa I und II
- Das Stehpendel
- Brückenbäuche
Zusammenfassung
Verlängerung, Weitung und Lateralisierung der Mm. recti abdomini in der Schwangerschaft sind physiologisch notwendige Anpassungen.
Selbstheilungsvorgänge führen in der Regel in den körperlichen Zustand vor der SS zurück. Das galt vor allem in früheren Zeiten, als Frauen in viel jüngerem Lebensalter Schwangerschaften austrugen und die rehabilitierenden Vorgänge rascher und effizienter abliefen.
Bedingt durch gesellschaftliche Veränderungen, wie z. B. längere Ausbildungsjahre und Frauen-Berufstätigkeit, unterstützt nunmehr seit Anfang des 20. Jahrhunderts „Krankengymnastik“ - früher Heilgymnastik - die postpartalen, myofaszialen Rückbildungsprozesse.
Die gegenwärtig sich ausbreitende Welle von „Erkrankungsgymnastik“ im Internet allerdings, kann den gesundenden postpartalen Prozess aufhalten oder ihn sogar empfindlich stören. Derartige Angebote betreffen Bewegungsabläufe, die aus fachlichem Unwissen Fehlbelastungen setzen und dadurch Schaden zufügen.
Der biomechanisch einwandfrei ausgeführte Test der Mm. recti abdomini, das funktionell präzise Ergebnis und die funktionsspezifische postpartale Bewegungstherapie sind heutige therapeutische Parameter, die unter Anleitung einer entsprechend geschulten Fachperson, die mütterliche Gesundheit physiologisch fördern.













