Das Tanzberger-Konzept

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ursachen - folgen - physiotherapie



Die Obstipation

ist eine multifaktorielle Stuhlentleerungsstörung, gekennzeichnet von mind. zwei der folgenden Symptomen

 

  • geringer Defäkationsfrequenz (< 3x pro Woche)
  • langen Darmpassagezeiten (> 48 h) 
  • erschwerten Entleerungen, oft begleitet von frühzeitigen und/oder langandauernden, exzessiven Pressen, sowie manuellen Manövern. 

Oft bleibt dennoch ein Gefühl der inkompletten Entleerung bestehen.


Eine Obstipation kann kologen  oder anorektal  entstehen.




E I N T E I L U N G


Man unterscheidet zwischen primärer  oder sekundärer  Obstipation, sowie zwischen akuter oder chronischer Obstipation:

  • Die primäre  Obstipation hat funktionelle oder idiopathische Ursachen.                                                             
  • Die sekundäre  Obstipation ist eine strukturelle oder systemische Störung, z.B. die diabetisch bedingte Obstipation oder medikamentös induzierte Obstipation.
  • Die akute Obstipation dauert ≤ 12 Wochen an.
  • Die chronische Obstipation ist meist funktionell bedingt und hat einen Verlauf von mehr als > 12 Wochen. 

INFOBOX

EINTEILUNG DER PRIMÄREN OBSTIPATION Nach ICD-10

Obstipation bei Kolontransitstörung (K59.00),

Inclusive: Slow-Transit-Obstipation         

Exklusive: Medikamentös induziert (K59.02)

Obstipation bei Stuhlentleerungsstörung (K59.01)

Inclusive: Obstipation bei anorektaler Funktionsstörung, Obstruktives Defäkationssyndrom, Outlet-Obstipation

Sonstige und nicht näher bezeichnete Obstipation (K59.09)

M Ö G L I C H E   A U S L Ö S E R


  • Fehlernährung (z.B. ballaststoffarme Kost, geringe Flüssigkeitszufuhr)
  • Habitus (Bewegungsmangel, Entleerungsgewohnheiten)
  • Psycho-vegetative Auslöser
  • Metabolische Erkrankungen (z. B. Diabetes mellitus, Hypothyreose)
  • Neurologische Erkrankungen (z. B. Parkinson, MS, Apoplex)
  • Störung des Elektrolythaushalts (z. B.: Kaliummangel)
  • Pathologische Obstruktionen des Darms (z. B. Strikturen, Karzinome, Divertikulose, Verwachsungen)
  • Anatomische Veränderungen (z. B. Anorektale Malformationen)
  • Tumor im Nachbarorgan (Uterus-Ca, Ovarial-Ca)
  • Outlet obstruction (Beckenboden-Sphinkter-Dyskoordination)
  • Jahrelanger Gebrauch von Abführmitteln
  • Medikamentöse Einflüsse (z. B. Opiate, Antidepressiva, Calciumpräparate)
  • Unerwünschte Medikamenten-Nebenwirkungen

 


P O T E N Z I E L L E   F O L G E N


  Verletzung bzw. Ablösung des Corpus cavernosum (vaskulären Schwellkörper) von ihrer Haftstelle & Prolaps 

  Lockerung der bindegewebige Verankerung der Beckenbodenmuskulatur und u.U. daraus resultierender Deszensus urogenitalis

  Urethrale Belastungsinkontinenz

  Drangsymptomatik

  Bildung von Skyballa u. U. mit paradoxer Stuhlinkontinenz

  Entstehung einer Rektozele

  Entstehung von Analfissuren

  Entstehung von Perianalthrombose

  Entstehung eines Rektum-/Analprolaps

  Partieller oder kompletter Sensibilitätsverlust des Anoderms

  Traktionsneuropathie des Nervus pudendus, Denervierung des M. levator ani

  ➛ Retentive Stuhlinkontinenz

INFOBOX

Skyballa


Der Begriff bezeichnet feste, kugelige oder klumpige Kotballen im Dickdarm. Im deutschen Sprachgebrauch werden sie auch Kotsteine genannt. Sie können durch per se flüssigkeitsarmen Stuhl oder (infolge verlängerter Passagezeiten im Colon) durch eingedickten Stuhl entstehen.



Skyballa erschweren durch ihre feste Konsistenz den Defäkationsvorgang und können die Mukosa, Hämorrhoiden und das Anoderm schädigen.

Paradoxe Stuhlinkontinenz


Skyballa können die Darm-Mukosa reizen, welche mit vermehrter Schleimproduktion reagiert. 

Der abgesonderte Schleim wird als sog. Stuhlschmieren unfreiwillig verloren und als paradoxe Stuhlinkontinenz bezeichnet.


R E T E N T I V E   S T U H L I N K ON T I N E N Z 


Die rezeptive Stuhlinkontinenz entwickelt sich aufgrund von Schmerzen, die bei der Defäkation erlebt wurden. Um wiederholt schmerzhafte Defäkationen zu vermeiden, werden die nächsten Stuhlentleerungen so lange als möglich hinausgezögert.

Während der längeren Verweildauer des Faeces im Darm wird ihm weiterhin Flüssigkeit entzogen. Dies führt zu einer zunehmend festen Stuhlkonsistenz, wodurch die folgenden Defäkationen wiederum gesteigert erschwert werden.

Es folgt ein sich selbst erhaltender und fortschreitender Teufelskreis von schmerzhafter Defäkation – Stuhlverhalt – erhöhte Stuhlkonsistenz – schmerzhafter Defäkation … u. s. w.

Der Stuhlverhalt führt zu einer Dehnung und Erweiterung der Darmwand und zu deren Sensibilitätsverlust.  Frisch angelieferter, weicher Fäces und Stuhlschleim können - um und durch - die festen Bestandteile hindurch rutschen und unbemerkt in kleineren oder auch größeren Mengen aus dem Enddarm austreten (Symptom  Stuhlschmieren).

Eine Stuhl-Inkontinenz trotz bzw. infolge einer Obstipation ist entstanden.

T H E R A P I E


Regulation der Stuhlqualität

zu einem weichen und voluminösen Stuhl, der die

  Darmperistaltik anregt

  ➛ Transitzeit reduziert

  Defäkation erleichtert

  • Strukturen schont

Dies kann beeinflusst werden mittels

  Änderung der Ernährungsgewohnheiten

  ➛ Änderung der Trinkgewohnheiten


INFOBOX

Verdauungsfördernde Nahrungsmittel


  • Ballaststoffreich, Bsp.: Vollkorn, Weizenkleie, Leinsamen, Obst, Gemüse, Salat, frische Kräuter


  • Eiweiße Bsp.: Fisch, Eier, Quark, Joghurt, Käse, Fleisch, Hülsenfrüchte, Vollkorn


  • Fette, Bsp.: Kalt gepresste Pflanzenöl


  • Bitterstoffe, Bsp.: Chicorée, Endivie, Radicchio, Frisée, Ruccola


  • Essverhalten modifizieren: Langsam essen und jeden Bissen gut kauen.


Günstige Trinkgewohnheiten


  • Adäquate Trinkmenge


  • Über den Tag gleichmäßige Trinkmengenverteilung


  • Art der Getränke



Tipp:

Tee aus Salbei, Bohnenkraut oder Frauenmantel

  • stimuliert die Magensäure
  • regt die Darmmotilität an
  • regt den Gallenfluss an
  • hilft Fette zu verdauen

P H Y S I O T H E R A P I E


Regulation der Defäkationsgewohnheiten

  • Visualisieren des Entleerungsvorgangs
  • Tönendes Ausatmen auf den Öffnungslaut „a“
  • Entspannte Toiletten-Sitzhaltung
  • Ggf. Weiterleiten zur Ernährungsberatung zur Ernährungsumstellung

 

Normalisieren eines ggf. habituellen Hypertonus Im Sphinkter-Beckenboden-System

TIPP

COLONMASSAGE

Indikationen, Kontraindikationen, Technik,

Anleitung & Download

TIPP

MODUL THERAPE C

Detaillierte Informationen zu den Krankheitsbildern der Obstipation selbst und der dadurch verursachten Folgeerkrankungen sowie der Ausführung praktischer Angebote in der physiotherapeutischen Behandlung erhältst du in der Fachfortbildung Modul Therapie C

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